Zu aller erst mal allen Lesern ein gesundes neues Jahr *plopp*. Heute gibt es mal einen etwas anderen Post, keine Bilder aber dafür viel mehr zu lesen.

Hin und wieder beschwere ich mich hier ja das ich nicht genug Zeit habe zu Fotografieren. Das ist natürlich nicht nur pure Ausrede für meine eigene Schreibfaulheit sondern auch erschreckende Realität. Leser die mich nicht persönlich oder durch diverse Grafikforen kennen wissen natürlich nicht das ich schon einmal in der Lage war eines meiner heiß-geliebten Hobbys zum Broterwerb machen zu können.

Also mal neben der schmalen Beschreibung im About ein paar Informationen zu meiner Person bzw. zu meiner Arbeit. Ich arbeite seit Februar 2008 als 3D-Freelancer oder auf Deutsch als freier Grafiker im Bereich 3D-Grafik. Ich arbeite an Computerspielen, an Visualisierungen, teilweise im Printbereich oder hatte auch schon die Möglichkeit mich als Gamedesigner zu versuchen. Alles in allem kann ich also wirklich nicht meckern kreativ unterfordert zu sein.

Dadurch kommt natürlich jetzt die nächste Frage auf, was hat das ganze mit einem Fotoblog zu suchen? Ganz einfach Fotografie und 3D-Grafik laufen, zumindest bei mir, sehr eng Hand in Hand. Ich kenne viele 3D-Grafiker die mehr oder weniger aktiv fotografieren und man kann eine Menge Wissen das man sammelt von der einen Disziplin auf die andere Übertragen. Zum Beispiel habe ich eine 3D-Szene und muss für diese eine Kameraposition und einen Bildausschnitt fest legen, pure Bildkomposition also. Vor einiger Zeit habe ich mich damit sehr schwer getan, mittlerweile mache ich das aber dank der Fotopraxis ganz intuitiv. Das ganze funktioniert natürlich auch in die andere Richtung so habe ich im Laufe der Zeit in den 3D-Applikationen Strategien entwickelt wie ich Lichter bewusst setze, das wiederum kann ich in der Fotografie nutzen. In der Fotografie beobachte ich wie sich Licht in einer Szene ausbreitet und kann das wiederum nutzen um realistischere Bilder zu machen. Natürlich kann man nicht alle Konzepte eins zu eins von einer Disziplin zur anderen Übertragen aber es lohnt sich eigentlich immer ein wenig über den eigenen Tellerrand zu schauen.

Nun habe ich natürlich vor einiger Zeit auch die Überlegung angestellt die beiden Felder  hier zusammen zu führen und eine Art “General Artist Blog” zu machen, ich bin aber zu der Einsicht gekommen das ich diesen Blog ausschließlich der Fotografie widmen möchte da jedes Feld für sich schon umfangreich genug ist auch ohne das ich es mit anderen Themen verwässere.

Ich würde hier auch gerne erklären warum ich bestimmte Dinge auf eine bestimmte Art mache aber zum Teil kann ich das gar nicht. Ich bin gerade selbst an einem Punkt an dem ich immer mehr reflektiere was ich tue und warum, aber ich bin mir nicht einmal ganz sicher ob diese ganze Analyse wirklich zielführend ist und ob sie mich als Fotograf und Künstler weiter bringt. Ich bin mir im Grunde nicht einmal ganz sicher ob ich mich wirklich als Künstler bezeichnen sollte oder will, Künstler sind meist irgendwelche abgehobenen Egozentriker deren Ruf meist mehr zählt als ihr Werk selbst. Zumindest kommt mir diese Assoziation als erstes in den gedanklichen Sucher wenn ich an Künstler denke. Ich denke dabei an meine Kunsterziehungslehrerin der Originalität und gestalterische Grundlagen völlig egal waren Hauptsache es sah irgendwie modern aus. Ich denke dabei an Männer und Frauen mit gestrickten Rollkragenpullis die über die Emotionen von Farben diskutieren und dabei völlig die Grundaussage eines Bildes vergessen. Sie versuchen krampfhaft außerhalb von Mustern zu denken und pressen währenddessen alles in Schubladen. An dieser Stelle natürlich eine Entschuldigung an all jene die etwas tun nur des Machens wegen, einfach der unumgänglichen Notwendigkeit des Tuns wegen.

Ich bin selbst ein sehr impulsiver Mensch, der Sachen zwar gerne und gut im Voraus plant, aber auch schnell alle Pläne über den Haufen wirft und sich den aktuellen Gegebenheiten anpasst wenn es nötig ist. Technisch nicht immer ganz sauber aber am Ende funktioniert es meistens. Ich plane für 2011 auch eine kleine Do it yourself Ecke einzurichten um ein paar Erfahrungen zu teilen, die meisten Produktshots die ich bis dato gemacht habe sind eigentlich immer in Bastelorgien ausgeartet aber ich habe bis jetzt immer die Bilder bekommen die ich gebraucht habe.

Es stellt sich abschließend die Frage: “Warum fotografiere ich eigentlich überhaupt?” neulich war das die Frage von einem Podcaster und Worshopherausgeber  und die Antwort ist so simpel wie sie komplex ist (vielleicht hätte ich mit meiner Erklärung ja sogar gewonnen). Kurz, ich möchte das andere die Welt mit meinen Augen sehen, ich möchte das andere Menschen sehen was ich sehe und was ich interessant finde. Und deswegen nutze ich Bilder und bildgebende Verfahren um mich auszudrücken.

Über Anregungen und Fragen freue ich mich natürlich, also immer her damit. Mittlerweile fühle ich mich sogar schon fast im Stande diese adäquat zu beantworten.

Ein gesundes Neues

Stefan

3 Responses to “Ab ins neue Jahr – Mal ein bisschen photophilosophisch”
  1. dogwatcher says:

    Sehr schöner Beitrag! Von dem Zusammenspiel “3d-Artist” und “Fotograf” hab ich bisher nie was gelesen.. dabei ist es ja, wie Du ja schon selbst
    schreibst, eigentlich offensichtlich dass die beiden Felder einiges gemein haben! Interessant!

    Übrigens…

    Zitat:
    ———-
    “Ich bin mir im Grunde nicht einmal ganz sicher ob ich mich wirklich als Künstler bezeichnen sollte oder will, Künstler sind meist irgendwelche abgehobenen Egozentriker deren Ruf meist mehr zählt als ihr Werk selbst. Zumindest kommt mir diese Assoziation als erstes in den gedanklichen Sucher wenn ich an Künstler denke. ”

    Geht mir genauso… Wenn jemanden dann doch mal ein Foto von mir richtig gut gefällt und ausruft “Das ist Kunst!” sag ich immer etwas mürrisch
    “Ich mache Fotos… keine Kunst..”

    Das irritiert dann wohl einige, und ich vermute fast, manche Fotografen sind dann schon fast angesäuert (.. wie lange hat die Fotografie gekämpft um als “Kunstform” anerkannt zu werden? Teilweise kämpft sie wohl heute noch..)

    Aber irgendwie geht es da mir wie dir.. ohne jetzt manchen Leuten Unrecht zu tun, aber dieser gewissen Menschenschlag, der aus allem und jedem “Kunst” macht und jede Farbe in Bezug auf ein Kindheitstrauma und die Menschheit im Allgemeinen und Ihre Verortung im Universum im Besonderen zu Tode interpretiert, ist auch nicht soo mein Ding… 😉

    Aber vielleicht bin ich ja auch einfach zu oberflächlich, was das angeht. Na ja, hauptsache, glücklich.. 😉

    dogwatcher (..aka “toooldtobetrue” auf Twitter )

  2. Moni says:

    @ dogwatcher

    >>”Ich mache Fotos, keine Kunst”
    🙂 Sehr schön, dieser Ausruf. Ich will es fast noch allgemeiner formulieren:
    Ich mache Dinge, die mich begeistern – und das am Liebsten so, dass sie mich begeistern. (was soviel heißt wie, wenn m ir Dinge richtig Spaß machen, möchte ich über sie soviel wie möglich lernen und das gelernte umsetzen)

    @ stefan
    Danke für diesen ausführlichen Blogpost – jetzt weiß ich auch ein bisschen mehr über Dich und das war sehr interessant zu lesen.
    Zum Thema “über den Tellerand” und der gegenseitigen Befruchtung verschiedener Kreativdisziplinen: man sollte es nicht glauben, aber ich habe sogar schon aus einem Handspinner-Podcast (yepp, das sind die Damen am Spinnrad) neue Erkenntnisse über Farbtheorie, Farbwerte und Farbproportionen gewonnen, die ich auf jeden Fall mal wieder in einer meiner Podcastfolgen verwursten werde. Wenn man Augen und Ohren aufsperrt findet man überall nützliche Informationen.

  3. Stefan says:

    Gerade auch im Hinblick auf die Diskussionen der letzten beiden Tage bricht es Monis Aussage: “Ich mache Dinge, die mich begeistern – und das am Liebsten so, dass sie mich begeistern.” am besten herunter. Mehr kann man wirklich nicht dazu sagen.

  4.  
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