Nein, um euch zu beruhigen, mit dem Titel und diesem Post möchte ich natürlich nicht die Gedankengänge eines Soziopathen oder angehenden Amokläufers beleuchten. In meinem Blog-Geschreibsel hier dokumentiere ich ja meine ganz persönliche Entwicklung und meine Erfahrungen auf dem Weg ein besserer Fotograf oder besser überhaupt ein Fotograf zu werden. Dieser Post hier ist, so denke ich wieder einmal ein Kapitel.

Genauer geht es mir heute um Gefühl das mich in letzter Zeit förmlich verfolgt. Mit “klick” meine ich nicht einen Menschen der aus rastet und Amok läuft sondern einen Menschen der mit offenen Augen durch seinen Alltag geht und versucht Ausschnitte fest zu halten. Und genau das passiert mir in letzter Zeit doch all zu häufig. Mit dem Klicken meine ich das Geräusch dass das beim betätigen des Auslösers verursacht wird und dass genau das mir akustisch bestätigt was ich so liebe. Eine Szene, so alltäglich und banal sie für andere auch erscheinen mag, in einem Bild fest zu halten. Ich denke, beziehungsweise hoffe, das diese Entwicklung normal ist.

Wenn man sich nur lang und tief genug mit Fotografie als abbildendes Medium beschäftigt und selbige auch aktiv betreibt nicht umhin kommt ständig und vor allem unbewusst nach Motiven Ausschau zu halten. Daran habe ich mich eigentlich schon gewöhnt, nur geht es mir immer häufiger so das ich eben das Gefühl nicht nur bei Szenen oder Objekten bekomme sondern vor allem bei Personen. Sei es die Bedienung oder Gäste in einem meiner Lieblingsrestaurants oder einfach Menschen die ich sehe wenn ich einfach nur durch die Stadt laufe. Es macht einfach ständig “klick” im Kopf.Ich sehe Personen um mich herum die ich einfach festhalten möchte, aus welchen Gründen auch immer.

Eigentlich wünsche ich mir einen Knopf am Bein mit dem ich einen Screenshot von dem machen könnte was ich gerade sehe. Der Ausschuss wäre sicher enorm aber ich glaube es wären sicher auch ein paar Perlen dabei. Ich glaube das was mich momentan so anzieht nennt der fotografische Volksmund wohl schlicht Streetfotografie. Ein extrem faszinierendes Betätigungsfeld das aber gerade in unseren Landen einige, nicht zuletzt juristische, Fußangeln für uns abbildendes Volk vor hält. Man muss das Motiv, man entschuldige mir diesen sehr sachlichen Ausdruck, vor dem Ablichten fragen ob man eigentlich darf was man will und eigentlich im tiefstn Inneren als unerlässlich empfindet. Und ich glaube genau das ist die Angst jedes angehenden Straßenfotografs. Man zerstört die Szene durch pures Eindringen in selbige. Das echte, das wahre, das authentische ist dahin wenn man fragt. Das Grundrecht am eigenen Bild erscheint einem an dieser Stelle und aus dieser Perspektive förmlich wie eine unüberwindbare Mauer. Dennoch scheinen einige Fotografen diese zu überwinden und genau das will ich auch.

Normalerweise versuche ich ja meine Posts mit irgendeiner Art Lösung zu beschließen, nur habe ich, in diesem Fall, einfach noch keine adäquate gefunden, aber ich arbeite daran. Die Ablehnungen sind natürlich auch ein entscheidender Teil des Wegs den ich bereit bin zu gehen.

Erfahrenere Fotografen werden, denke ich, an der Stelle wahrscheinlich sagen “Immer rein in die Szene”, nichts ist schlimmer als das Bild das man nicht gemacht hat. Aber das ist genau das was mich seit längerem stichelt, man wünscht sich ein drittes Auge das immer auslöst wenn man es gerade will.

6 Responses to “Wenn es im Kopf “klick” macht”
  1. Thomas says:

    Hallo Stefan,
    blos nicht davor fragen. Das hast Du richtig erkannt. Du zerstörst die Situation, da die Leute anfangen zu posen. Das Motiv ist dann hin. Also entweder versteckt fotografieren oder offen drauflos ballern. Glaub mir. Sobald Du unverhüllt fotografierst, fällt Dir das die ersten 5 bis 10 mal schwer. Davon wird womöglich jeder zweite komisch gucken und fragen. Der Rest lässt es geschehen. Unjd was am wichtigsten ist. Du bekommst Routine und nach einigen Malen wird Dir das nichts ausmachen, die Leute zu fotografieren. Also nur nicht fragen oder vielleicht irgendwas erklären. Du begibst Dich in eine Bittstellerposition und gibst der anderen Seite ein Überlegenheitsgefühl, welches sie dazu verleitet komische Fragen zu stellen und womöglich noch zu diskutieren. Das Streetfoto ist dann einfach hin und ist auch kein Streetfoto mehr.
    Viele Grüsse
    Thomas
    (BPC)

  2. Tilla Pe says:

    Immer rein in die Szene *ggg*

    Aber mal im ernst. Wir alle parken auch mal da, wo es nicht erlaubt ist. Oder fahren schneller als erlaubt. Nur beim Thema Streetfotografie wird so ein Geschiss gemacht, man müsse vorher fragen. Thomas hat Recht, fragt man vorher, haut man sich das Motiv kaputt, setzt sich doofen Fragen aus (Mein persönliches Highlight: “Warum machen Sie das?”) und ist letztendlich der, der frustriert von dannen zieht.
    Also erst hinterher fragen. Und auch nur, wenn man das Gefühl hat, das Bild taugt zur Veröffentlichung. Visitenkärtchen zücken, freundlich lächeln, keine Diskussion anfangen sondern erklären, dass man um Freigabe bitten wird, wenn das Bild veröffentlicht werden soll. E-Mail-Adresse notieren. Ebenso vorgehen, wenn man “erwischt” wird, bevor man auf die Leute zu gehen kann.

    Niemals heimlich fotografieren. Das ist feige und hinterhältig. Und meist ist das Bild dann auch nicht gut 😉

    Und immer Laufschuhe anziehen *gg*

  3. Moondragon says:

    Ich habe selbst erst vor kurzem Gefallen an der Streetfotografie gefunden. Lange Zeit hatte ich mich ihr verweigert, da ich zum einen ein ziemlich introvertierter Typ bin und mich daher besonders schwer tue, auf fremde Menschen zuzugehen, und zum anderen ebenfalls die rechtlichen Konsequenzen fürchtete.

    Für’s erste habe ich eine für mich passende Lösung für beide Probleme gefunden: Ich habe mir nicht wie du einzelne Personen als Motiv gesucht sondern weiträumigere Straßenszenen, so wie sie jeder Tourist fotografieren würde. Mein Motiv war also die „Straße“ an sich und die Menschen nur „Beiwerk“. (Ich weiß nicht, ob ein Jurist das genauso sehen würde!) Bei diesen Fotos ist es dann aber unmöglich, von allen abgebildeten die Erlaubnis einzuholen. Es sind schlicht zu viele, die natürlich auch nicht am selben Fleck stehen bleiben. Das Restrisiko, dass jemand das Bild, auf dem er abgebildet ist, im Netz findet und etwas dagegen hat, gehe ich ein.

    Übrigens ist eine Messsucherkamera (ich habe eine Yashica 35 GTN) wirklich ideal für die Streetfotografie. Mit ihr fällt man in der Menge nicht weiter auf und bekommt gefühlt weniger misstrauische Blicke ab. 🙂

    @Tilla Pe: Ich denke es gibt einen Unterschied zwischen unauffälligem und heimlichen Fotografieren. 😉

  4. Stefan says:

    Ich danke euch erstmal allen für eure Kommentare und Ratschläge.
    Allerdings muss ich an der Stelle eine kleine Sache in den Raum werfen die ihr natürlich nicht wissen könnt. Ich bin in einer Partei tätig die sich, unter anderem, zum Ziel gesetzt hat das Grundgesetz zu schützen. An der Stelle kollidiert natürlich mein Streben nach guten Fotos ein wenig mit meinem politischen Engagement. Allerdings wären meine Bestrebungen auf der einen Seite und das Missachten eben dieser doch ziemlich bigott und würden mein Handeln ziemlich ad absurdum führen. Natürlich ist ein tolles Foto etwas feines aber an der Stelle auf das Recht am eigenen Bild zu pfeifen erscheint mir irgendwie nicht richtig. Wie Moondragon schon sagte ist eine Möglichkeit sich eben nicht eine Person heraus zu picken sondern eben Gruppen und Menschentrauben abzulichten aber es sind halt eben immer einzelne Menschen bei denen es “klick” macht. Ich denke ich werde mich wohl in die Lage begeben müssen der Bittsteller zu sein der sein Bild möchte. Allerdings eben erst im Nachhinein.

    Nicht ganz sauber aber doch, denke ich, die beste Lösung für beide Partein.

    Achja, und Visitenkarten… das nehme ich mir schon seit 2 Jahren vor… sollte ich wohl echt langsam mal machen. Mittlerweile kann ich den Leuten ja auch unterwegs zeigen was ich mache und worauf ich hinaus will.

  5. Moondragon says:

    In diesem Fall ist es natürlich verständlich, dass du da besonders auf die rechtlichen Aspekte achtest. Dazu habe ich auch noch eine Ergänzung: Ich bin mir nicht sicher, aber meines Wissens bezieht sich das Recht am eigenen Bild nur auf die Veröffentlichung der Bildnisse, nicht aber auf die Erstellung derselben. Die Methode „erst fotografieren, dann fragen“ sollte also zumindest rechtlich in ordnung sein.

  6. Tilla Pe says:

    @Moondragon
    “Unauffällig” ist etwas völlig anderes als “heimlich” !

  7.  
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