Ich bin wiedereinmal neu verliebt. Nicht in eine Frau sondern in eine Kamera, mal wieder. Es ist schon erstaunlich mit jedem neuen Teil das man so in seiner Hardwaregier erwirbt entdeckt man das Fotografieren ein kleines Stückchen neu, so auch letzte Woche. Ich habe mich schon eine ganze Weile mit dem Gedanken umher geschlagen mir mal eine günstige Messucherkamera zu besorgen. Eigentlich wollte ich mich bei nächster Gelegenheit mal auf einem Flohmarkt nach einer russischen Messucher umsehen. Wären mir da nicht zwei geschätzte Kollegen, die Herren Illuminate und Moondragon85, auf Twitter, dazwischen gekommen. Nach einer kurzen Frage nach geeignetem Material antworteten beide wie aus einem Mund Yashica Electro 35. Da dachte ich mir, da muss ja irgendetwas was dran sein. Als erstes also Google und Flickr mit den Suchbegriffen gefüttert und auch sehr schnell fündig geworden. Ok, das sah dann auch schon mal sehr viel versprechend aus, also mal mal in der Bucht nachforschen und mit beiden der Preise wegen Rücksprache gehalten, man will sich ja schließlich auch nicht über den Tisch ziehen lassen. Beide haben mich dann noch auf eine kleine aber gemeine Krankheit der Yashica hingewiesen das sogenannte (Pad of Death), in der Kamera gibt es einen Gummipuffer der nach ca. 30 Jahren den Geist aufgibt. Was bei einer Kamera aus den 70er Jahren ziemlich genau jetzt der Fall sein sollte.

Am Ende sollte es also eine Yashice Electro 35 GT werden.  Circa eine viertel Stunde nach erfolgtem Kauf setze dann auch schon das übliche “Wann kommt sie, wann kommt sie” ein. Ein sehr gutes Vorzeichen das ich mich wirklich darauf freue.  Ich muss gestehen, ich habe sie dann auch direkt an der Packstation ausgepackt und das erste mal durch den Sucher geschaut. Nach ein wenig Probieren ließ ich dann auch in Twitter verlauten “Verdammt ist Messucher geil” Man kann wirklich in einem dunklen Wohnzimmer das nur durch 2-3 TFT-Displays beleuchtet wird sicher fokussieren. Also Film rein und ab gehts. Nun Petrus spielte mir übel mit und Tags darauf war das Wetter schlicht weg zu mies um raus zu gehen. Der Tag darauf entlohnt mich aber mit einer Mischung von bewölkt bis sonnig, also allerbestes Wetter um die Kamera in allen erdenklichen Situationen zu testen.

Ich wollte nun auch nicht unbedingt als erstes den guten Velvia einlegen um die Yashi zu testen also musste ein Kodak Ektar 100 her halten den ich nun schon fast ein Jahr umher trage. Hm, ein Buntfilm, hatte ich schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr genommen. Heute habe ich nun also  die Ergebnisse als Scan bekommen und bin einfach nur noch hin und weg. Die Belichtungsmessung passt, der Fokus sitzt und die Bilder haben ihren ganz eigenen Charm. Der Ektar wird mir im übrigen gerade auch sehr sympatisch, den muß ich unbedingt weiter testen. Zur Belichtung muß man sagen das ich mich Analog wie digital schon lange nicht mehr auf die Automatiken verlassen habe. An meinen SLR, analog wie digital, messe ich eigentlich immer alles per Hand aus und stelle dann die Kamera entsprechend ein. Die Möglichkeit gibt es bei der Yashica aber einfach nicht. Da stellt man die ISO am Wählrad ein und hofft das Elektronik richtig liegt. Ich wäre natürlich nicht Ich wenn ich da nicht schon beim ersten Film eine Möglichkeit gefunden hätte die Elektronik ein wenig zu bescheißen. Also rechnen wir ein wenig, eine ISO Stufe (also zB von ISO 50 auf 100 oder von 200 auf 400) entspricht 2 Blendstufen. will ich also ein Bild bewusst eine Blendstufe überbelichten muss ich lediglich das Iso-Rad eine halbe Iso-Stufe nach unten drehen. Getestet und für “Gut” befunden. Dazu muß man allerdings auch sagen das der Ektar wirklich gutmütig ist was die Belichtung angeht, also weitere Tests werden folgen müssen.

Eins kann ich aber mit ziemlicher Sicherheit sagen, die Yashi hat sich wirklich vom ersten Blick durch den Sucher  natürlich an gefühlt. Wie das berühmte dritte Auge das viele Fotografen so gerne suchen. Die Bedienung ist prinzipbedingt simpel aber eben effektiv und die Ergebnisse haben mich heute einfach weg gehauen. Ich bin verliebt. Wir zwei sind zwar noch in der Kennenlernphase aber ich mag sie trotz aller Einschränkungen schon tief und innig.

Zum Schluss noch die Ausbeute der ersten Rolle, zum Großteil nicht Korrigiert oder geschönt. Nicht die Ganz große Kunst aber wie gesagt wir zwei lernen uns gerade erste kennen und lieben. Der Großteil übrigens unbearbeitet also so wie ich es aus dem Scan bekommen habe. Nur hin und wieder ein bisschen Farb/Kontrastkorrektur oder bisschen Horizontbegradigen. Also nun die Auswahl von meinen “First 36”

2 Responses to “Ein schwerer Fall von Photographis analogis”
  1. boris says:

    Ist geil, die Yashi, gelle? Und mit einem Messsucher fotografiert man eben nochmal ganz anders… Der Ektar sieht übrigens sehr schick aus!

  2. Stefan says:

    Jau bin sau zufrieden mit dem Teil (wobei ich die Flexibilität einer SLR trotzdem nicht missen möchte). Und, ja der Ektar macht richtig Spaß.

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